Fußballer-Marionette

Bittere Spiele

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Endlich ist wieder Fußball-WM! Vier Jahre sind, wie ich finde, einfach eine viel zu lange Zeit. Abends ­­– gut, dieses Jahr manchmal auch sehr spät abends – bei uns am schönen Bodensee im Biergarten sitzen, sich beim Public Viewing mit anderen freuen und aufregen: Ich könnte mir für diesen Sommer kaum etwas Besseres vorstellen.

Ein bitterer Beigeschmack ist da jedoch, und der kommt nicht vom Bier…

Brasilien steht als Austragungsort heftig in der (Medien-)Kritik. 170.000 Menschen wurden im ganzen Land zwangsumgesiedelt um Platz für den Bau teurer Fußballstadien zu schaffen. Es ist die teuerste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten. Zig Millionen wurden investiert. Geld, das an anderen Stellen wiederum fehlt. Infrastruktur und Bildung bleiben nämlich nun erst einmal auf der Strecke. Besonders bitter: Von den Menschen, denen die Fußball WM das Leben gekostet hat, spricht kaum noch jemand.

In Brasilien sind vor allem die indigenen Völker die Leidtragenden. Wie Survival International berichtet, kosten zum Beispiel die Sicherheitsmaßnahmen zur Fußball-WM 791 Millionen US-Dollar – das ist das Zehnfache des Jahresbudgets der brasilianischen Indianerschutzbehörde! Auch die Hintergründe zum Bau der Stadien hat Survival International aufgedeckt.

Es ist mir völlig unverständlich, wieso die FIFA hier nicht achtsamer ist. Denn dass Nachhaltigkeit auch im Fußball sehr gut funktionieren kann, beweisen einige Bundesligavereine doch sehr eindrucksvoll. Der SV Werder Bremen zum Beispiel hat im vergangenen Jahr die erste zertifizierte CSR-Managerin eingestellt. Anne-Kathrin Laufmann sitzt schon seit 2006 in der Nachhaltigkeitsabteilung bei Werder Bremen. Die CSR-Marke „WERDER BEWEGT – LEBENSLANG“ engagiert sich unter anderem in Projekten wie der „Windelliga“, 100 % Ökostrom, Antidiskriminierung und betrieblichem Gesundheitsmanagement. Übrigens: Anne-Kathrin Laufmann wird auf dem Deutschen Mittelstands-Summit im Fachpanel „CSR – von der Spendenethik zur Firmenethik“ zu diesem Thema sprechen.

Ich persönlich kann, trotz des Schattens, der auf dieser WM liegt, nicht aufs Fußball gucken verzichten. Dafür bin ich einfach zu sehr Fan. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Brasilien in diesem Jahr sogar Weltmeister wird. Das wird zwar in keinem Fall wieder gut machen, was im Vorfeld dieser WM alles schief gelaufen ist – aber vielleicht könnte es das Land wieder etwas mit sich selbst versöhnen.

Ihr

Joachim Schuble

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