Richtig schenken

Bestechung: Die Kunst des (richtigen) Schenkens

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Korruption und Bestechung scheinen in Europas Wirtschaftsunternehmen ein festes Standbein zu haben. Vor allem in Ost- und Südeuropa geben Manager laut einer Studie von Ernst & Young zu, dass Bestechung in ihrem Land zur Tagesordnung gehört. In Deutschland gibt es zwar viele Gesetze die Korruption erschweren, aber auch hier sollen ein Drittel der Unternehmer bestechlich sein. Ich kann da manchmal wirklich nur den Kopf schütteln, wenn ich morgens meine Tageszeitung aufschlage. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nichts zum Thema Bestechung und Korruption drin steht.

Einige Fälle kann ich noch ganz gut nachvollziehen. Aber zugegeben, auch ich bin manchmal verunsichert und weiß dann nicht, wie ich mit kleinen Geschenken umgehen soll. Ganz egal ob ich nun der Schenker oder der Beschenkte bin. Wann wird die Flasche Rotwein zur Bestechung? Kann mir die Einladung ins Stadion falsch ausgelegt werden? Ich habe von  Unternehmen gehört, die sämtliche Geschenke aus lauter Angst vor unkorrektem Verhalten postwendend zurücksenden.

Der Webblog „Mittelstanddirekt“ von der Volksbank gibt einen guten Tipp: Um die Fallstricke zu entwirren sei es für die Unternehmen sinnvoll, einen sogenannten „Compliance“-Beauftragten zu benennen, der klare Verhaltensregeln und Bestimmungen formuliert. Es empfiehlt sich beispielsweise eine Obergrenze für den Wert von Geschenken festzulegen, die von allen Mitarbeitern akzeptiert werden muss. Dadurch kann zum Beispiel auch Neid im Team vermieden werden. Eine Richtlinie könnte das Steuerrecht sein: Wenn Sie etwas verschenken, darf das Geschenk bis zu 35 Euro kosten, damit Sie es absetzen dürfen. Doch auch hier gilt Vorsicht: Unter bestimmten Umständen könnte schon ein günstiges Präsent als Bestechungsversuch ausgelegt werden, beispielsweise wenn es im Vorfeld einer Auftragsvergabe verschenkt wird.

Die gute Nachricht: Laut einer Umfrage des CBCI (Center for Business Compliance & Integrity) in Kooperation mit dem DICO (Deutsches Institut für Compliance e.V.) und COMFORMIS zum Thema “Compliance im Mittelstand” ist die Korruption im Mittelstand deutlich zurückgegangen. Sowohl Anzahl als auch Wert der Geschenke haben sich demnach in den letzten Jahren deutlich reduziert, was vor allem an der verstärkten Compliance-Aktivität der Unternehmen liegt.

Letztendlich sind die Grenzen, was Recht und was Unrecht ist fließend und jeder muss für sich entscheiden, welches Geschenk er annimmt. Aber auch der Schenkende sollte versuchen, sein Gegenüber nicht in Bedrängnis zu bringen. Im Zweifelsfall werde auch ich daher in Zukunft statt den Pralinen lieber ein paar nette Worte verschenken – ehrlich gemeint, freut es den Gegenüber meist genauso wie das kleine Geschenk.

Ihr Joachim Schuble

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